Eastman

JULIUS EASTMAN – Evil N****r / Gay Guerrilla
(NEUE MEISTER / EDEL, 2020)
Kai Schumacher, Patti Martin, Mirela Zhulali, Benedikt ter Braak – piano

Er war definitiv keiner, der sich anpasste. Aber einer, der dafür umso mehr zu sagen hatte. Der 1940 geborene amerikanische Komponist Julius Eastman eckte immer wieder an. Er war ein homosexueller Afroamerikaner und ging mit seinen Wurzeln und seiner Sexualität sehr selbstbewusst um, was sich in Titeln wie „Evil Nigger“ oder „Gay Guerilla“ widerspiegelt. Dabei ist Integrität und ein klares, aufrichtiges Anerkennen seiner Identität für Eastman der Kern seiner idealistischen Botschaft.

Seine Musik lässt sich wohl am ehesten unter dem Label Minimal Music einordnen, auch wenn sie sich doch sehr von Komponisten wie Philip Glass oder Steve Reich unterscheidet. Die Musik von Eastman ist in vielerlei Hinsicht radikal, was auf seinen persönlichen Background zurückzuführen ist: Mit seiner sehr konfrontativen Art war er nie wirklich ein Teil des zeitgenössischen Musik-Establishments. In den 1980er Jahren in New York hatte er zudem noch mit einem ernsthaften Drogenproblem zu kämpfen, so dass die Polizei seine Wohnung sogar zwangsräumte und sämtliche Besitztümer einfach auf die Straße warf. Dabei gingen unglücklicherweise auch viele seiner Kompositionen verloren. Eastman lebte in den letzten Jahren seines Lebens wortwörtlich auf der Straße und starb 1990 weitgehend unbeachtet von Öffentlichkeit und Kollegen in einem Krankenhaus in Buffalo.

Bis heute hat seine Musik nichts von ihrer Unangepasstheit, ihrer Kraft und ihrer Botschaft verloren. Deshalb haben sich die vier zeitgenössischen Pianist*innen Patricia Martin, Mirela Zhulali, Benedikt ter Braak undKai Schumacher zusammengetan und am 31. Mai 2020 auf dem Moers-Festival die beiden Stücke „Evil Nigger“ und „Gay Guerilla“ an vier Flügeln interpretiert.

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